FraumussMan(n)sein.err
Warum Frauen einfach mehr verdienen
Wäre ich eine Frau hätte ich wahrscheinlich längst OnlyFans, oder zumindest in der Pornoindustrie durchgestartet. Zumindest hatte ich schon ein paar Mal diesen Gedanken und ich würde lügen, würde ich sagen, dass mich die Vorstellung nicht reizt.
Man Frau hat Sex, sieht dabei umwerfend aus und wird dafür auch noch gut bezahlt – zumindest wenn man Frau es richtig macht. Das würde ich natürlich. Ich wäre längst Millionärin, läge an meinem Privatstrand in der Sonne. Einer meiner Männer würde mich lecken, ein anderer massieren und einer mit dem Fächer schwingen. Ich hätte natürlich einen Harem – nur halt andersrum. Versteht sich oder?
Frau müsste man(n) sein … aber ich sollte langsam aufhören zu träumen, schließlich hab ich keinen Bock auf eine Hormontherapie und ein Skalpell zwischen den Beinen und muss mich damit abfinden.
Ja, ich kam als Mann, mit einem Penis, auf die Welt sen Planeten und bin fast die ganze Zeit horny. Das liegt vermutlich zum Teil an unserer hypersexualisierten Wirklichkeit, aber darum soll es heute nicht gehen. Auch nicht um diese nervtötenden Feministen, die sich darüber aufregen, dass Männer – aufgrund des Gender Pay Gaps – mehr verdienen. Laut dem Statistischen Bundesamt liegt dieser bei 6% bereinigt.1
Wichtig: es geht hier natürlich um Jobs, in denen man seine Zeit gegen Geld tauscht.
Aber was, wenn man das Stundenlohn-System einfach umgeht?
Für die Recherche sprach ich also mit meiner besten Freundin über ihren OnlyFans-Account. Ich war neugierig. Wie viel verdient sie? Was für Ausgaben hat sie? Wie viel Zeit muss sie investieren?
Hier das wichtigste:
Auf Instagram hat sie fast 50.000 Follower
Ihr OnlyFans bietet auschließlich Aktfotografie
Damit verdient sie monatlich zwischen 900€ und 1000€
Auf meine Frage nach dem Aufwand antwortete sie mit “Nicht so viel xD”
Sie hat im Grunde keine Ausgaben, denn ihre Fotografen arbeiten kostenlos
Wo bekomme ich als Mann heute, für so wenig Aufwand, genau so viel Geld? Ich glaube nirgendwo. Und meine Freundin weiß das auch, deshalb macht sie es. Nicht, weil sie es liebt sich für fremde Männer auszuziehen, sondern einfach weil es funktioniert.
Bucky sagte 1970: “We should do away with the absolutely specious notion that everybody has to earn a living.”2 Noch heute “leben” wir, als ob das Leben etwas wäre, das man sich erst verdienen muss.
Wann sprechen wir endlich mal darüber? Wir erfinden immer neue Technologien, um uns mehr und mehr Arbeit abzunehmen – aber wir arbeiten immer noch so lange wie zu Zeiten Henry Fords (*1863 †1947) – der die 40-Stunden-Woche für seine Arbeiter einführte. Das war am 1. Mai 1926. Vor fast genau 100 Jahren.3
Für das, was passiert, hat der Anthropologe David Graeber sogar einen Begriff geprägt: Bullshit Jobs. Seine These: Wir erfinden immer neue sinnlosere Jobs, nicht weil wir sie brauchen, sondern weil das System nur so funktioniert.4
Aber brauchen wir dieses System überhaupt noch? Vielleicht bis einmal jede Frau ihr Geld auf OnlyFans verdient, bezahlt von Männern in irgendeinem Bullshit Job – oder als Eskort, für jeden der genug verdient… Klingt irgendwie wie das Endspiel des Patriarchats, obwohl ich mit dem Begriff noch nie so richtig was anfangen konnte.
Wie viele Milliardäre wohl davon träumen, dass jede Frau käuflich ist?
Aber als Arbeitsloser natürlich komplett uninteressant für mich und der Weg, den ich sehe, sieht auch etwas anders aus.
Wir können uns alles leisten
Deutschland gehört im internationalen Vergleich zu einem der wohlhabendsten Länder weltweit. Für die meisten eine allgemein bekannte Tatsache, so offensichtlich, dass jedes Hinterfragen sinnlos wäre. Doch was bedeutet Wohlstand eigentlich wirklich?
Was heißt Wohlstand für dich? Schreib es gerne in die Kommentare – aber lies erst weiter, wenn du eine Antwort hast.
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Jetzt stell dir vor, du hast gerade Schiffbruch erlitten und treibst hilflos im Meer – mit einem Zweiten, den du nicht kennst. Plötzlich taucht die Rettung – ein Treibholz auf, allerdings eins, an dem sich nur einer festhalten kann. Ihr beginnt darum zu streiten und im Streit bietest du ihm genau das an, was du eben als Wohlstand definiert hast.
Er lehnt ab. Warum?
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Weil das was du als Wohlstand für dich definiert hast nicht die wirkliche Definition von Wohlstand ist. Aber die hat uns Bucky bereits mit auf den Weg gegeben:
“Wealth is our organized capability to cope effectively with the environment in sustaining our healthy regeneration and decreasing both the physical and metaphysical restrictions of the forward days of our lives.”5
Keine Sorge, ich musste den Satz auch mehrmals lesen um ihn zu verstehen. Und für die, die kein Englisch können, hier noch meine persönliche Übersetzung:
“Wohlstand ist unsere Fähigkeit, uns und andere – materiell wie spirituell – für die Tage zu versorgen, die noch vor uns liegen.”
Wozu also über den Gender Pay Gap diskutieren? Es ist doch im Grunde völlig egal, wer, wie, wo, wie viel verdient. Geld und Wohlstand sind grundlegend verschiedene Dinge und wenn wir das einmal begriffen haben, zerbricht das Kartenhaus, das wir uns seit Jahrhunderten aufgebaut haben. Sätze wie “das können wir uns nicht leisten”, “wir haben nicht genug Geld” basieren alle auf einer falschen Vorstellung von Wohlstand.
Huessy sagte einmal: “Wo nach ‘Wieviel?’ gefragt wird, ist der Mensch gleichgültig geworden; die Liebe ist dann abhanden gekommen.”6
Wir haben längst schon die Mittel, alles grundlegend zu verändern.
Die Technologie.
Die Ressourcen.
Mehr als genug Hände, die mit anpacken wollen.
Was uns fehlt, ist die richtige Haltung – ein Mensch, der nicht mehr nur an sich selbst und seine Nächsten denkt, sondern mit uns fühlt.
Im Kreuz der Wirklichkeit nennt Huessy ihn den “Mitmenschen” – den ‘Mikroanthropos‘, denn “,den‘ Menschen gibt es ,an sich‘ nicht.”7 Wir sind immer in Beziehung, ob wir uns davon abspalten oder nicht. “[…] Jeder Mitmensch muss so sehr mit seinen Mitmenschen zusammenhängen, dass er seinen Standpunkt mit ihnen auswechseln kann.”8
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Wie immer: Danke fürs Lesen!
Mein plaCZebo
David Graeber: Bullshit Jobs: A Theory. Simon & Schuster, New York 2018. Deutsche Ausgabe: Bullshit Jobs. Vom wahren Sinn der Arbeit. Klett-Cotta, Stuttgart 2019.
R. Buckminster Fuller, Operating Manual for Spaceship Earth (1969), Kapitel 6: “Synergy”, S. 92–93.
Eugen Rosenstock-Huessy: Im Kreuz der Wirklichkeit – Eine nach-goethische Soziologie, Band 1: Die Übermacht der Räume. Hrsg. v. Richard Scherer. Talheimer Verlag, Köthen, 2008/2009, S. 356.
Ebd., S. 298.
Ebd., S. 324



Wohlstand ist für mich eine Sache, die ich mit Würde und ohne OnlyFans & Co. erreichen kann.
Mein Bruder sagt mir ständig: "keine Ahnung, warum du nicht reich bist. Als Frau mit hübschen Füßen würde ich sofort die ganzen Fetischisten ausnehmen und am Strand leben" 😂
Ich versteh deinen Gedanken. Bullshit Jobs zu kreieren, damit wir weitere Bullshit Jobs kreieren und in diesen Bullshit Jobs versauern.🙃 Es Lebe der Kapitalismus 🙄